Das Haus
Das Haus Buchwald
Acker Straße 59 in Düsseldorf Flingern
Die Geschichte der Verwandlung einer „ollen alten Giebelwand“
Gebaut wurde das Haus im Jahre 1893
Für Herrn Heinrich Boes so der Originaltext der Architektenzeichnung von 1893.
Schon auf dieser Zeichnung sind die beiden Güter-Bahnlinien zu erkennen. Zu dieser Zeit hatte das Haus noch die Nr. 55.
In der Bombennacht Pfingsten 1943 fiel eine Luftmine direkt auf die Gleise vor der Unterführung.
Die umliegenden Häuser wurden ebenfalls schwer beschädigt.
Die heute bemalte „olle Giebelwand“ ist als einzige Wand stehen geblieben. Diese Wand wurde Anfang der 50iger Jahre aus Sicherheitsgründen gesprengt. Bei dieser Sprengung stürzte ein großer Betonklotz auf die Schienen vor der Brücke und legte den Bahnverkehr lahm. Und wieder einmal ärgerte das Haus die Deutsche Bundesbahn. Der „Mauersteinbrocken“ wurde auf Kosten des Bauamtes Düsseldorf beseitigt. 2,50 DM die Unternehmerstunde.
Der Wiederaufbau des Hauses begann im Frühjahr des Jahres 1958. Die ersten Mieter konnten Weihnachten im gleichen Jahr einziehen. Ohne Korridortüren, dafür mit Schutt in den Badewannen.
Die Giebelwand wurde nun mit Fenster gebaut. Deswegen musste an die Bahn Fenstergeld bezahlt werden. Den Bau von Balkonen hat die Bahn aus Sicherheitsgründen bis heute nicht gestattet. Man fürchtete und fürchtet den Funkenflug der Oberleitung.
1968 kam Heide Adrian, noch nicht verheiratet aus Schieder-Schwalenberg Stadtteil Lothe nach Düsseldorf, zur Meisterprüfung im Friseurhandwerk. Sie wohnte im Haus ihres Onkel Otto Steinhauer auf der Ackerstrasse 59. Zu der Zeit fuhren nachts die Güterwagen mit den Transporten zum Schlachthof. Das war oft sehr laut.
1969 heiratet sie Günter Buchwald. Zwei Kinder wurden geboren Merle und Helge.
1983 übernahmen Heide und Günther Buchwald das Haus von Onkel Otto. Stück für Stück wurde es in den heutigen Zustand saniert.
1986 verlegte Heide Buchwald ihr Friseurgeschäft ins Haus. Später eröffnet Tochter Merle an gleicher Stelle die Zahnarztpraxis www.dr-baufeld.de
Für Heide Buchwald war das in der langen Zeit vom ersten Tag in Düsseldorf (1968) bis September 2005, immer nur die „olle alte Giebelwand“. Riesige 23 Meter hoch und 11 Meter breit.
In Erinnerung an ihre Heimat das Bauerndorf Lothe, wo jede Giebelwand wunderschön bemalte Torbögen hatte, war in der ganzen Zeit immer der Wunsch da, die langweilige riesige „olle Giebelwand“ irgendwie schöner zu gestalten. Als Kind zu Besuch in Düsseldorf träumte Heide Buchwald von Märchenbildern. Aber der Onkel Otto war nicht so ganz damit einverstanden. Und in den Jahren nach dem Krieg war für „so was“ keine Zeit und Geld da. Der Wunsch wurde in eine Kiste gepackt und erst mal für lange lange Zeit weggestellt und fast vergessen.
2004
Auf dem Kiefernstraßenfest 2004, traf das Ehepaar Buchwald zum ersten mal auf die Künstlergruppe www.farbfieber.de Heide Buchwald sah plötzlich ihren alten Traum von der bemalten „ollen alten Giebelwand“ realisierbar vor sich.
Klaus Klinger und sein Team kamen zu ersten Gesprächen mit der Familie Buchwald zusammen und bald war klar, es sollte ein Bild entstehen welches den Stadtteil Flingern dokumentiert. Oho, das hört sich einfach an, aber wen nimmt man denn nun auf das Bild?
www.erwin-grueneschild.de selbst Künstler und im Flingern der Nachkriegszeit aufgewachsen, erwies sich als unerschöpfliche Quelle von Verzälkes und Anekdötchen.
So wurde in langen Sommerabenden die Geschichte Flingerns in der Zeit bewusst ab den 30iger Jahren aufgeschrieben.
Aus diesen Geschichten zeichneten die Künstler erste Entwürfe. Nach vielen Beratungen und so mancher heißen Diskussion war es soweit. Ein Entwurf wurde von allen Familienmitgliedern angenommen.
Im September 2005 haben die Künstler von Farbfieber das Haus eingerüstet und im Oktober war es soweit. Die Flingeraner Geschichte von 1930 bis heute, ist nun sichtbar und leuchtet in hellen Farben an der „ollen alten Giebelwand“.
In Anlehnung an ihr Heimatdorf in der alten Schreibweise „Tor zu Lothe“ heißt es „Das Tor zu Flingern“.
